Aktualisiert: 20.11.2017
Pressemeldung 19. Oktober 2016
Die Wahlkreisabgeordnete für Altona Gabriele Dobusch, seit dieser Legislaturperiode auch Vorsitzende des Kulturausschusses der Bürgerschaft, begrüßt Senatsbeschluss zur Nominierung des Jüdischen Friedhofs Hamburg-Altona für die Eintragung in die Liste des UNESCO-Welterbes Gabi Dobusch: „Gute Nachricht für Altona! Auf eine Nominierung des Jüdischen Friedhofs an der Königstraße für die Liste des UNESCO-Weltkulturerbes hoffen wir in Altona schon lange, denn hier spielten die jüdischen Gemeinden schon früh eine bedeutsame Rolle. Von daher begrüße ich es sehr, dass der Senat nun den ersten notwendigen Schritt getan und beschlossen hat, noch in diesem Jahr einen entsprechenden Antrag auf den Weg zu bringen.“ Dank der liberalen Haltung und handfester ökonomischer Interessen des dänischen Königs Christian IV konnte sich Altona, Konkurrenzstadt zu Hamburg und bis 1864 unter dänischer Verwaltung, bis zur Zeit des Nationalsozialismus zu einem jüdischen Zentrum des Nordens entwickeln. Hier konnten anders als in Hamburg auch Nichtlutheraner Land kaufen. Damit war eine Voraussetzung für jüdische Friedhöfe erfüllt. Bei dem sephardischen Teil des Altonaer Friedhofs von 1611 handelt es sich um den ältesten portugiesisch-jüdischen Friedhof Nordeuropas. Der angrenzende aschkenasische Teil kam 1616 dazu. Ein weiterer jüdischer Friedhof wurde 1683 in Ottensen, damals noch ein Dorf bei Altona, eingerichtet. Ende 1942 wurde der Altonaer Friedhof, der bis 1877 in Nutzung war, wie alle jüdischen Friedhöfe in Deutschland zur Zeit des Nationalsozialismus enteignet. An den Ottenser Friedhof, von dem 1942 einige wenige Grabsteine nach Ohlsdorf umgesetzt werden konnten, erinnert heute – nach weiteren Eingriffen in den 50ern und 90er Jahren – nur noch eine Gedenktafel mit den Namen der Bestatteten (UG Einkaufszentrum Mercado). Von den ursprünglich 9000 Grabsteinen des Altonaer Friedhofs an der Königstraße sind jedoch trotz Kriegsschäden und Vandalismus noch 8100 Steine bzw. Fragmente erhalten. Kulturhistorisch bedeutsam sind dabei insbesondere die reich dekorierten liegenden Grabsteine des sephardischen Teils des Friedhofs. Sie zeugen von regem Kulturaustausch einerseits und Diaspora und (Zwangs-)Assimilation andererseits.